Hier meine Leserbriefe, die ich an Medien verschiedenster Art schreibe. Sie spiegeln ganz gut meine Meinung zu verschiedenen Themen wider:

An "Süddeutsche Zeitung"
per Fax
Betr: "Warten auf das Wunder von Nicosia", "Insel der Irrwege" vom 6.9.02 und "Annan lädt Zypern-Konfliktparteien nach New York ein" in der SZ vom 7.9.02

- (6.9.02/1) Papandreou hat recht, wenn er sagt, daß Griechenland und (Süd)Zypern nur
von dem Beginn der Gespräche über die EU-Aufnahme der Türkei im Dezember profitieren können. Denn wenn die Türkei ohne eine für beide Parteien akzeptable Lösung des Zypernkonfliktes den EU-Beitritt schafft, hat sich voraussichtlich dieser Konflikt scheinbar gelöst. Aber leider nur scheinbar: Denn diese Lösung geht auf die Kosten der türkischen Bevölkerung Zyperns, die mit einer großen Mehrheit auf der internationalen Anerkennung der Türkischen Republik Nordzypern besteht. Präsident Denktash vertritt nur, wie es sich gehört, den Willen der Menschen im Norden Zyperns!

- (6.9.02/2) Daß Inselbewohner ihre Heimat verlassen, ist ein uraltes Phänomen. Schon Anfang der Sechziger Jahre ging "man" - und das betraf alle Bevölkerungsteile! - z.B. nach England oder Amerika zur Ausbildung. Daß jetzt vermehrt die Inseltürken die Heimat verlassen, liegt aber auch am seit 1974 bestehenden Embargo, das die Wirtschaft und damit das Weiterkommen jedes einzelnen lähmt. Wenn die KKTC ein international anerkannter Staat wäre, würde sich die Wirtschaft langsam erholen, und damit würde auch der Abwanderung Grenzen gesetzt. Noch eine Anmerkung dazu: Wenn man in London oder auch hier einen Zyprioten trifft, heißt er meistens Joannides o.ä., ist also griechischer Herkunft...

- (7.9.02) Die Gespräche zwischen Präsident Denktash und seinem Amtskollegen Clerides übrigens während des zweiten Weltkrieges Kampfpilot in der Royal Airforce war), wurden nicht von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen! Sie gehen auf die Initiative von Rauf Denktash Anfang September 2001 zurück, der Gespräche unter vier Augen vorgeschlagen hatte. Die UN mit Herrn de Soto war nur als Beobachter dabei, sollte also keinen Einfluß auf die Entwicklung der Talks haben. Diese Tatsache zeigt auch die Bemerkung im Artikel 1 vom 6.9.02: "Die UN möchte wieder eigene Vorschläge unterbreiten können."
Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob einer der Kontrahenten die Hand ausstreckt, oder ob ein Dritter sie zum Pfötchengeben auffordert!

An "Dunya" e-mail: dunya-d@dunyahafta.com Betr.: "Denktasch: Keine Zwangsehe" vom 12.4.02

Die Rolle, die der UN - Sicherheitsrat im Zypernkonflikt wieder einmal zu spielen versucht, ist von Präsident Denktasch mit Recht zurückgewiesen worden. Herr Denktasch hatte die von ihm angeregten Gespräche "unter vier Augen" nur unter der Prämisse begonnen, der UN-Gesandte De Soto werde ausschließlich in seiner Eigenschaft als Beobachter dazu eingeladen. Daß Herr De Soto nun - wohl auf Anweisung aus New York - in die Gespräche einzugreifen versucht, war zu erwarten, kann aber nicht hingenommen werden, ebenso wie der Zeitdruck, der die sowieso diffizielen Gespräche nur negativ beeinflussen kann. Beide Aktionen zeigen klar, unter wessen Einfluß die Weltöffentlichkeit steht. Nur die Regierung Klerides kann durch solche Einschränkungen gewinnen, sie sitzt am längeren Hebel.

An "Sueddeutsche Zeitung"
per Fax
Betr.: "Wenig Hoffnung auf Zypern-Durchbruch" vom 10.4.02 

Die Zyperntürken fürchten zu recht, das Schicksal der Palästinenser zu teilen. Der Akritasplan (1963) und die Ephaistosakte (1974), beides Order zur gezielten Vernichtung der türkischen Bevölkerung Zyperns, belegen eindeutig, daß die griechisch kontrollierte Regierung von Südzypern durchaus in der Lage ist, solche Verfolgungen von Minderheiten zu planen und auch durchzuführen. Präsident Denktasch muß an seiner Forderung nach einer Konföderation festhalten, um sein Volk, das ihn genau aus diesem Grund gewählt hat, nicht dem Völkermord auszuliefern. Dieser potentielle Krisenherd im östlichen Mittelmeer mit abermals tausenden von Toten wird von den meisten Politikern in Deutschland, in der EU und der UNO nicht erkannt - unser traditioneller Philhellenismus hindert uns wieder einmal daran, die Augen zu öffnen.

An "Sueddeutsche Zeitung"
per Fax
Betr: "Ich möchte keine zweisprachigen Ortsschilder haben",
Interview mit Otto Schily vom 27.6.02

Zunächst: Man mag zu Herrn Stoiber stehen, wie man will. Jedoch wenn Herr Schily ihn der Lüge bezichtigt, ist das wohl auf die ungeschriebenen Gesetze des Wahlkampfs zurückzuführen. Die Auswirkungen des neuen Zuwanderungsgesetzes unterliegen immer noch der Spekulation. Spekulationen sind aber Ansichtssache eines einzelnen oder einer Gruppe. Und anderer Meinung zu sein, ist bei weitem noch keine Lüge, sondern eines unserer Grundrechte. Erschreckender ist allerdings die Auffassung Herrn Schilys und damit unserer Regierung, Integration mit Macht durchsetzen zu wollen. "Die Muttersprache muß Deutsch sein oder werden!" Damit verweigern wir unseren türkischen Mitbürgern ihre Identität, die auf der Sprache und der Kultur des Heimatlandes beruht. Ein Verlust dieser Identität bedeutet früher oder später - und dafür gibt es genügend Beispiele auch in der jüngsten Vergangenheit - Unzufriedenheit, Unruhe und letztlich Gewalt. Man kann und darf Menschen, und seien ihre Sitten und Gebräuche für uns noch so fremd, ihre Wurzeln nicht nehmen! Und da spielt es keine Rolle, ob es ein einzelner "Exot" oder eine große Gruppe ausländischer Bürger ist. Bestrebungen, mit Kursen etc. die Integration zu fördern, sind sehr zu begrüßen. Aber auch den Deutschen fehlt eine gewaltige Portion an Aufklärung. Der Islam wird in jedem Kreuzworträtsel als Weltreligion bezeichnet, hierzulande aber herrschen nur vage Vorstellungen über den Inhalt. Und daß die Türkei nicht nur aus Ali vom Dönerstand oder Mehmed dem Postboten besteht, sondern ein Land mit hohem kulturellen Niveau ist, ist weitgehend unbekannt. - Und wer begrüßt schon Ali oder Mehmed mit einem fröhlichen Merhaba? Buon Giorno kommt uns leicht an, wenn wir Giovanni den Pizzabäcker sehen... Integration ist gut - aber auf Kosten der Identität? Nein!

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Leserbriefe